Study on Female Refugees: Represäntative Untersuchung von Geflüchteten Frauen in Unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland

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Spiegel online: Studie Frauen beklagen desolate Zustände in Flüchtlingsheimen

Wie leben Frauen in deutschen Flüchtlingsheimen? Eine repräsentative Studie zeigt: Die Wohnsituation ist mies, es mangelt an Dolmetschern, Psychotherapien und Schutz vor sexuellen Übergriffen.

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Geschätzt ein Drittel der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind weiblich. Wie ist die psychosoziale Situation dieser Frauen und Mädchen? Wie leben sie, was könnte ihre Integration fördern?

Für eine Studie wurden 639 Frauen aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Eritrea, Iran und dem Irak zu ihrer aktuellen Situation befragt. In Gemeinschaftsunterkünften in fünf Bundesländern machten sie Angaben zu ihren Fluchtgründen, ihrer gesundheitlichen Verfassung, ihren Problemen und Ängsten.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat die Befragung in Auftrag gegeben, beteiligt war unter anderem die Charité in Berlin. Die Macher der Studie wollten explizit die Perspektive der Frauen in den Vordergrund stellen.

Fast die Hälfte der Befragten war zwischen 17 und 29 Jahren alt. 46 Prozent kamen aus Syrien. 70 Prozent der Frauen gaben an, verheiratet zu sein. 81 Prozent hatten Kinder, in 40 Fällen kamen die Kinder auf der Flucht zur Welt.

Was die Mehrheit der Frauen vereint, sind traumatische Erfahrungen in den Herkunftsländern und auf der Reise. Bei den Fluchtgründen werden Lebensgefahr, Krieg und Terror am häufigsten genannt. Auch Angst vor Entführung und Folter waren ausschlaggebend für die Flucht. Viele haben in Kriegsgebieten gelebt, haben Explosionen, Unfälle, Hunger, Obdachlosigkeit und den Tod von Familienmitgliedern erlebt. Auch Angst vor “Ehrenmord”, Zwangsverheiratung, Zwangsprostitution oder Genitalverstümmelung werden genannt.

Die Fluchtumstände variieren stark, es fällt aber auf, dass 87 Prozent berichten, Schlepper für die Flucht bezahlt zu haben. Die Summen schwanken den Angaben zufolge zwischen 250 und 10.000 Dollar. Frauen aus Somalia, Eritrea und Äthiopien sind signifikant häufiger allein unterwegs (27 und 25 Prozent) als etwa Syrerinnen und Afghaninnen (4 und 2 Prozent).

Frauen haben auf der Flucht und in den Herkunftsländern mit sexueller Gewalt zu kämpfen. Aber auch in Deutschland kommt es den Befragten zufolge in den Flüchtlingsunterkünften zu sexuellen Übergriffen. Vor allem allein reisende Frauen sind diesen oft hilflos ausgeliefert.

Ihre aktuelle Wohnsituation bezeichnet über die Hälfte der Frauen als schlecht oder sehr schlecht. Fehlende Privatsphäre, der Mangel an Rückzugsräumen, mangelnde Hygiene in Duschen und Toiletten, Lärm, Diskriminierung und ein Klima der Respektlosigkeit zerren demnach an den Nerven. Und verstärken Traumata, die ohnehin schon mitgebracht werden.

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Viele Frauen berichten von psychischen Problemen, am häufigsten genannt werden Traurigkeit (40 Prozent), die Neigung zum Weinen (52 Prozent) sowie Schlafprobleme, Nervosität und Angstgefühle. Fünf Prozent der Flüchtlinge berichten von starken Selbstmordgedanken – die Macher der Studie mahnen dringend eine adäquate Suizidprävention in den Unterkünften an.

Bei allen genderspezifischen Ähnlichkeiten gilt es zu differenzieren, aus welchen Ländern die Frauen kommen. So berichten Somalierinnen von schweren gesundheitlichen Problemen durch die in ihrer Heimat übliche Genitalverstümmelung. Oft bleiben die Folgen der Beschneidung unbehandelt, weil es gerade in dieser Gruppe große Sprachbarrieren gibt und Übersetzer und Dolmetscher fehlen. In Einzelfällen soll es der Studie zufolge sogar zu lebensbedrohlichen Fehlbehandlungen durch deutsche Ärzte gekommen sein, weil die Kommunikation nicht gewährleistet war. 38 Prozent der Frauen aus Somalia gaben zudem Angst vor sogenannten Ehrenmorden als Fluchtgrund an.

Auch die Frauen aus Eritrea haben mit Spachbarrieren zu kämpfen. Sie berichten in der Studie von Diskriminierung und Beschimpfungen durch andere Migranten, weil sie Christinnen sind. Sie fühlten sich als Nicht-Araberinnen vernachlässigt. 53 Prozent der Eritreerinnen haben laut eigener Aussage Folter erlebt.

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Syrerinnen beklagten in den Gesprächen für die Studie in Einzelfällen den Verlust ihres einstigen Lebensstandards. Sie äußerten Ängste, dass sie in Deutschland die Kontrolle über die Erziehung ihrer Kinder verlieren könnten. Ihre Aussagen waren von Angst vor Kulturverlust und Diskriminierung geprägt.

Afghaninnen beklagten eine Bevorzugung von Syrerinnen bei den Asylentscheiden. Es herrscht Unverständnis dafür, dass Bewohner eines Landes, das erst so kurz im Krieg sei, so schnell eine Aufenthaltsgenehmigung bekämen. “In Afghanistan ist immer Krieg”, so die Meinung.

Insgesamt sind 26 Prozent der Frauen der Meinung, sie würden in den Unterkünften diskriminiert – durch Mitbewohner, aber auch Sozialarbeiter.

Aus den beschriebenen Zuständen ergeben sich folgende Forderungen der Macher der Studie:

  • In den Flüchtlingsunterkünften werden mehr professionelle Übersetzer und Dolmetscher gebraucht, außerdem mehr muttersprachliches Personal

  • Allein reisende Frauen sollten separat untergebracht werden

  • Asylverfahren sollten beschleunigt und die Wartezeiten für eine Familienzusammenführung reduziert werden, um zusätzliche psychische Belastungen der Frauen zu vermeiden

  • Es bedarf der schnelleren Bereitstellung von Sprach- und Integrationskursen

  • Angebote für Psychotherapie und Suizidprävention müssen erweitert werden. Bisher sind sie nicht im Katalog der Regelversorgung von Geflüchteten und müssen in langwierigen Verfahren beantragt werden.

  • Behandlung von Opfern weiblicher Beschneidung muss durch Experten erfolgen

  • Frauenspezifische Probleme wie Genitalverstümmelung und häusliche Gewalt müssen thematisiert werden

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