Malalai Joya: Jedenfalls bin ich ins Parlament eingezogen

Malalai Joya4Als der grausame Ehemann von Bibi Aisha, von dem sie sagten, dass er von den Taliban sei, ihr die Nase und die Ohren abschnitt, haben die Propagandamaschinerie der westlichen Regierungen das Unglück von Bibi Aisha für ihre eigenen Interessen missbraucht. Sie haben ihr Photo in den Mainstream-Medien gezeigt und gesagt, wenn ihre Truppen das Land verlassen würden, würde dies vielen Frauen in Afghanistan passieren.“ Malalai Joya.

 

Im Mai 2016 hatten wir vom International Women Space das Vergnügen, Zeit mit Malalai Joya verbringen zu können. Wir trafen uns in der Wohnung eines Freundes in Ostberlin, wo die beiden eine ganzen Tisch voll mit köstlichem Tee, Kaffee und Gebäck vorbereitet hatten. Während wir diese Köstlichkeiten genossen, diskutierten wir die Politik in Afghanistan und wie Frauen einen hohem Preis während Kriegs- und Besatzungszeiten zahlen. Malalai weiß wie wichtig es ist, ihr Wissen, dass sie sich in vielen Jahren politischen Aktivismus angeeignet hat, mit anderen politisch aktiven Frauen auf der ganzen Welt zu teilen. Die Konversation mit ihr läuft gut, sie geht keinem Thema aus dem Weg, sie scheint vor nichts Angst zu haben. Das folgende Interview ist ein Auszug aus diesem Gespräch.

IWS: Wir wissen, dass dir diese Frage wahrscheinlich schon sehr oft gefragt wurdest, aber wir würden dich trotzdem gerne Fragen, wie du dich entschieden hast, dem Parlament beizutreten und eine Person des öffentlichen Lebens zu werden inmitten von all diesen Interessen, die einen schmutzigen Krieg in Afghanistan führen?

Malalai Joya: Ich war eine Aktivistin im sozialen Bereich für eine Organisation, die die Fähigkeiten von Frauen förderte, und es hat mir gefallen, was ich mit meinen Leuten getan habe, weil ich sehr stark an die Kraft von Bildung glaube. Ich war auch Lehrerin während der Zeit der Taliban. Eine Untergrund-Lehrerin. 2003 gab es Wahlen in Afghanistan, die ersten nach dem 11. September und ich war im westlichen Teil des Landes bekannt, ein Kollege fragte mich, ob ich antreten würde, damit wir sehen konnten, ob die Leute uns unterstützen würden. Ich war damals sehr jung, 23 Jahre alt, und als es die Verfassungswahlen gab, war ich 25. Zum Glück war die Verfassungswahl eine offene Wahl, sie konnten nicht betrügen. Es war nicht so, wie wir es von vorher kannten, als die Stimmen hinter verschlossenen Türen ausgezählt wurden. Ich wiederhole immer wieder, dass es nicht nur wichtig ist, wer wählen geht, sondern dass es noch viel wichtiger ist, wer auszählt. Ich habe damals viele Stimmen bekommen und bin 2003 ich die Loya Jirga gekommen. Zum ersten Mal machten wir unsere Verfassung selbst. Und das erste Mal hatte ich direkten Kontakt mit all diesen Verbrechern wie Sayyaf, Ismail Khan, Qanooni, Mahqiq und diesem ganzen Haufen an Mördern, die viele Verbrechen an unseren Leuten verübt hatten. Zu dieser Zeit waren wir nur ein paar progressive Leute und wir dachten, dass es eine gute Zeit sei, den Menschen dieser Welt zu zeigen, dass wir da waren und nicht mit denen übereinstimmten. Zum Beispiel, in der Loya Jirga, versuchten sie, die Worte des Islam in jeden Paragraphen der Verfassung zu zwingen, was, wie ein paar andere progressive Leute und ich nach einer Diskussion feststellten, nicht wichtig war, weil in unserem Land die meisten Leute Muslime sind und sie haben überhaupt keine Probleme mit dem Islam. Ihre Probleme kommen vom politischen Islam von diesen Extremisten und deshalb wäre es nur ein weiteres Werkzeug in den Händen von diesen Leuten, das sie gegen die Menschen, gegen die Frauen nutzen könnten. Das haben wir diskutiert, aber niemand hat auf uns gehört, und letztendlich haben sie, weil sie in der Mehrheit waren, gewonnen und solche Gesetze gemacht. Die Versammlungen der Loya Jirga waren die einzigen Möglichkeiten für progressive Leute, zu sprechen. Aus diesem Grund habe ich mein Bestes getan, um die Möglichkeit zu haben, auf diesen Tribunalen zu sprechen, damit es auch international übertragen wird, nicht nur national. Und wegen dieser weltweiten Aufmerksamkeit, wurde ich berühmt als ich diese kurze Ansprache hielt. Ihre Reaktion darauf war, mein Mikrophon abzudrehen und mir mit dem Tode zu drohen. So bin ich in die öffentliche Politik gerutscht. Ich habe mit sozialem Aktivismus begonnen. Seit dem möchte ich eine ehrliche Politikerin sein und ich stelle sie bloß, mache keine Kompromisse und bleibe niemals still. Und deshalb haben sie versucht, mich umzubringen. Sie drohen mir immer , weil ich eine Frau bin mit den „schmutzigsten Worte“, wie sie sagen, und das ist auch der Grund, warum ich die Burka tragen muss wie in den Zeiten der Taliban.

malalai_joya_kabulDas zweite Mal als ich bei den Parlamentswahlen antrat, war kurze Zeit darauf, im Jahr 2005. Und wieder habe ich bei diesen Wahlen gewonnen, weil ich diese Berühmtheit erlangt hatte. Und dann habe ich gesagt: Sollte ich gewinnen, werde ich diese Versammlungen des Parlaments gegen diese Warlords und diese Terroristen nutzen. Aber sollte ich nicht gewinnen, liegt das ganz klar daran, dass sie betrogen haben, weil ich starke Unterstützung innerhalb Afghanistans hatte. Jedenfalls bin ich ins Parlament eingezogen und von Anfang an haben sie mein Mikrophon ausgeschaltet, sie haben mich im Parlament geschlagen, sie haben mir gedroht, mich zu vergewaltigen. Aber weil es ihnen nicht gelungen ist, mich ruhig zu stellen, kamen sie mit etwas an, was ich in einem Interview gesagt hatte, nannten mich eine politische Verschwörerin und benutzen das, um mich aus dem Parlament auszuschließen. Aber sie sind so dumm, sie haben mich aus den Parlamentsversammlungen ausgeschlossen und ich habe so viele andere Tribünen bekommen von progressiven Leute auf der ganzen Welt, die die Freiheit lieben. Und obwohl ich im Untergrund lebe, mache ich trotzdem weiter mit meinem Aktivismus, weil ich stark an die Rechte der Frauen, die Freiheit der Frauen, die Befreiung der Frauen und Männer, in unsere eigenen Fähigkeiten, uns selbst zu befreien, glaube und daran, dass wir unser Bestes tun werden, dies zu erreichen. Zum dritten Mal in unserer Geschichte, erleben wir die Herrschaft von Fremden, die in ihrem eigenen Interesse kommen, und wir wissen, dass es keinen anderen Weg raus gibt, als zu kämpfen.

IWS: Wie würdest du die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan beschreiben?

MJ: Zuerst will ich darauf hinweisen, dass die katastrophale Situation der Frauen eine sehr gute Ausrede für die USA und die NATO war, unser Land zu besetzen nach der Tragödie vom 11. September.

malalai2Leider haben sie das barbarische Regime der Taliban – diese frauenverachtenden Terroristen – mit den fundamentalistischen Warlords der Alliierten aus dem Norden, die genauso frauenverachtend sind wie die Taliban, und deren terroristische Handlanger, die nur physisch andere sind, aber mental dieselben sind, ersetzt. Während des Bürgerkriegs – 1992 bis 1996 – haben sie allein in Kabul mehr als 65.000 unschuldige Menschen getötet. Darüber wurden Bücher geschrieben und viele Organisationen haben darüber berichtet: Human Rights Watch, Amnesty International, RAWA, eine Frauenorganisation. Die Berichte sind auf den Internetseiten dieser Gruppen. Niemand hat sich bei unserem Volk entschuldigt. Im Gegenteil, diejenigen, die Blut an ihren Händen haben, kamen an die Macht, und das ist die Wurzel von all unseren Probleme im heutigen Afghanistan: die Menschen- und Frauenrechtsverletzungen, die Korruption, die Arbeitslosigkeit, Armut, Drogen, Mafia, sind alle die Konsequenz daraus, dass die Fundamentalisten an der Macht sind, und aus der Habgier der Taliban und der Besatzung. In Kabul leidet jeder darunter, aber trotzdem, die Frauen sind am schlimmsten davon betroffen. Vielleicht habt ihr von der schockierenden Geschichte der 27-jährigen Farkhunda gehört, die brutal von Extremisten, Fundamentalisten, getötet wurde, die sie beschuldigten, den Koran verbrannt zu haben, was eine große Lüge war. Hinter diesem Verbrechen stecken diese mächtigen Warlords, diese Extremisten, Misogynsten, die in dem neuen Regime, das sie als Marionettenregime ansehen, an Einfluss verloren haben. Das sind barbarische Leute, die in der Vergangenheit eine 70 Jahre alte Großmutter vergewaltigt haben, das sind dieselben Leute, von denen wir glauben, dass sie das Verbrechen gegen Farkhunda organisiert haben, weil das etwas war, was nicht so plötzlich passieren konnte. Es ist nicht möglich, dass in so kurzer Zeit eine große Menschenmenge Hand in Hand jemanden verprügelt und über ihren Körper springt, während die Polizei präsent ist, am helllichten Tag, nur ein paar Kilometer von Palast entfernt. Die Prügelei dauerte lange an und dann fuhr ein Auto über ihren Körper, der dann in einen kleinen Fluss in derselben Gegend geworfen wurde. Es war so schockierend, dass es in den lokalen und internationalen Nachrichten auftauchte. Das Verbrechen wurde verurteilt als eine schreckliche Zurschaustellung von Gewalt gegen Frauen, aber es gab keine Gerechtigkeit. Ein paar kleine Beamte gingen ins Gefängnis während die Anführer dieser Attacke frei kamen. Zum zweiten Mal haben in Afghanistan progressive Parteien und normale Leute gegen diese Gerichtsentscheidung demonstriert, sie wollten, dass diejenigen, die das Verbrechen begangen hatten, verurteilt werden. Aber da es keine Gerechtigkeit gibt, wurde nur ein paar Monate später die 19-jährige Rukhshana in der Nähe von Kabul zu Tode gesteinigt. Wieder wurde es eine Sache von internationaler Aufmerksamkeit. Jeden Tag sieht man viele andere Rukhshanas: sie werden vergewaltigt, sie leiden unter häuslicher Gewalt, Mädchenschulen werden abgebrannt, Frauen werden ausgepeitscht in verschiedenen Teilen von Afghanistan und sogar auch in der Nähe von Kabul, weil hier das Recht des Stärkeren herrscht.

Im Parlament, welches ein undemokratisches Parlament ist, verabschieden sie grausame Gesetze gegen Frauen, wie das, das zu Tode steinigen, Ehrenmord und Frauen zu schlagen, legalisiert. Das reicht, um zu wissen, was für ein Parlament wir haben. Wir sind seit 15 Jahren besetzt. Heute sind 25 % der Parlamentsmitglieder Frauen, aber die meisten dieser Frauen haben nur eine symbolische Rolle, und manche sind genauso Teil des Problems und manche sind auch Fundamentalistinnen. Ich erinnere mich, wie einmal, als ich Parlament im war, ein Frau zu mir gesagt hat: „Wenn du nicht still bist, werde ich dir etwas antun, was sich kein Mann je trauen das würde zu machen.“ Ich sagte nur: „Du bist ein Opfer.“ In Afghanistan haben wir sogar ein Frauenministerium, aber spielen die Frauen nur eine sehr symbolische Rolle, sie sind nur die Stimme dieses Regimes, dieses frauenverachtenden, undemokratischen Regimes, das an der Macht ist. Nicht nur diese fundamentalistischen Frauen, sondern viele von ihnen sind nur Puppen, die gelernt haben, in den Westen zu reisen und an teuren Konferenzen voll mit Propaganda teilzunehmen. Sie haben Staub in ihren Augen. Wenn zumindest die, die Farkhunda getötet haben, bestraft würden, könnten wir sagen, dass es in Afghanistan Demokratie gibt, und die Kriege und Verbrechen gegen Frauen würden nicht so in die Höhe schnellen wie sie es heute tun.

IWS: In der Propaganda nach dem Mord an Farkhunda hieß es, dass sie psychisch gestört war und das ist eine Anschuldigung, die oft gegen uns Frauen vorgebracht wird, wenn wir Widerstand leisten. Kannst du uns den genauen Hintergrund dieses Verbrechens erklären?

MJ: Farkhunda war nicht psychisch gestört. Ich habe ihre Familie getroffen, ihre Mutter und ihren Vater, weil ich wissen wollte, wer diese Frau war, und ich habe herausgefunden, dass sie eine mutige junge Frau war. Ihre Familie hat mir erzählt, dass sie unter Druck gesetzt worden waren von Beamten und den korrupten Leute, die diese Propaganda aufbrachten, um die große Schande des Regimes in Kabul und der westlichen Regierungen, die diese frauenverachtenden Extremisten, die an der Macht sind, unter dem Deckmantel der Demokratie unterstützten, zu verdecken. Deshalb erzählte die Familie den Medien am Anfang, dass ihre Tochter psychische Probleme hatte. Aber die Wahrheit kam ans Licht, als die Familie die starke Unterstützung sah, die aus verschiedenen Teilen Afghanistans kam, von afghanischen Frauen, die es nicht mal erlaubten, dass ein Mann den Sarg von Farkhunda trug oder auch nur berührte auf dem Weg zur Beerdigung. Tausende Frauen, progressive Parteien, aufrichtige Politiker und Organisationen erhoben ihre Stimme, um diese Familie zu unterstützen. Ich war von der Progressiven Partei Afghanistans eingeladen worden, an der Demonstration teilzunehmen, was ich tat und ich hielt auch eine Rede, trotz der Risiken, denen ich ausgesetzt bin, und der Drohungen, die ich erhalte.

farkhundaIch kann Farkhundas Familie verstehen. Politiker, Beamte, traten an sie heran, die versuchten, einige NGOs zu korrumpieren, um irgendwelche schmutzigen Geschäfte zu machen aus dem Leid und dem Schmerz von Farkhunda, so wie es immer mit dem Leiden unserer Frauen in den letzten 15 Jahren gemacht worden war. Ich erzähle den Leuten immer die Geschichte von Bibi Aisha. Als der grausame Ehemann von Bibi Aisha, von dem sie sagten, dass er von den Taliban sei, ihr die Nase und die Ohren abschnitt, haben die Propagandamaschinerie der westlichen Regierungen das Unglück von Bibi Aisha für ihre eigenen Interessen missbraucht. Sie haben ihr Photo in den Mainstream-Medien gezeigt und gesagt, wenn ihre Truppen das Land verlassen würden, würde dies vielen Frauen in Afghanistan passieren. Sie haben niemals auf den Krieg und all die Gewalt und die Verbrechen hingewiesen, die gegen die Männer und Frauen unseres Landes verübt werden, wegen der Anwesenheit von zehntausenden von ihren Soldaten. Sie haben in unserem Land gespielt und sie spielen noch immer, unterstützen diese Reaktionären, die ein großes Hindernis für die Frauen, für das Erstarken der Demokratie und der Gerechtigkeit in unserem Land darstellen. Deshalb sieht man heute Asylbewerber, die das Land verlassen müssen. Sie gehen vor allem, weil es keine Sicherheit gibt, und wegen der Arbeitslosigkeit. Die meisten von ihnen, die junge Generation, waren auf gefährlichen Wegen unterwegs, um hierher zu kommen, weil sie genug haben von dieser desaströsen Situation. Und wenn sie hierher kommen, sind sie Diskriminierungen ausgesetzt. Wenn aus Syrien kommst, ja, aber wenn du aus Afghanistan kommst, nein. Es gibt keinen Unterschied zwischen Syrern und Afghanen, weil beide Länder unter demselben Feind, demselben Desaster, demselben Problem leiden, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wir haben all diese Brutalität und Barbarei erlebt. Nochmal, diese 15 Jahre des sogenannten Krieg gegen den Terror, wir glauben, dass es ein Krieg gegen unschuldige Afghanische Leute ist, weil zehntausende von Menschen umgebracht wurden von diesen Terrorgruppen und den Besatzungsmächten in Afghanistan. Wenn wir nicht mal Sicherheit in Kabul haben, könnt ihr euch vorstellen, was mit den Leuten in den ländlichen Gegenden passiert?

Auf der einen Seite die Taliban, die ihre eigene Regierung haben, die mit ihrem Faschismus weitermacht, auf der anderen Seite sind die lokalen Warlords Teil dieses Regimes, und machen weiter mit der Barbarei gegen unsere Leute und v.a. gegen die Frauen. Es gibt nicht viele Möglichkeiten für die Afghanen: du musst das Land verlassen, in die angrenzenden Länder oder in den Westen gehen, oder mit den terroristischen Taliban oder anderen terroristischen Gruppen zusammen arbeiten, die ein Gehalt von 600 oder 500 Dollar im Monat bieten, was eine Menge Geld ist in Afghanistan. Manche akzeptieren, weil sie die leeren Mägen ihrer Kinder nicht füllen können.

Die Leute, die abgeschoben werden und zurück nach Afghanistan gehen müssen, werden drogenabhängig. Momentan gibt es ungefähr 2 Millionen Afghanen, die abhängig geworden sind. Viele sind nur ein paar Meter vom Palast entfernt, unter einer Brücke in Kabul. Es bricht einem das Herz, sie zu sehen. Die meisten von ihnen sind 20 Jahre alt, sehr junge Leute, die nur darauf warten, ihren letzen Atemzug zu tun.

IWS: Was passiert mit den Frauen, die abhängig sind? Denn in so einer Situation kommt zu der Unsichtbarkeit, durch die die Frauen durch müssen, noch der komplette Ausschluss hinzu.

MJ: Viele Frauen können ihre Kinder nicht ernähren, so viele wählen die Drogen als einen Weg, um ihre Kinder zum Schlafen zu bringen. Es gibt verschiedene Gründe, aber Armut und all das Elend sind Teil davon. Leider berichten die Medien nie darüber, und natürlich ist es diesem korrupten Regime, das wir haben, total egal, wer diese Leute sind oder wie jung sie sind. Das passiert nicht nur in Afghanistan, aber mit den Afghanen, die in den Iran gehen, und die, nachdem sie hart gearbeitet haben, um ein bisschen Geld zu ihren Familien zu schicken, sie haben nicht mehr viel zu erreichen, sie sehen, dass ihre Leben zerstört sind, sie werden abhängig.

Manchmal in den letzten 15 Jahren haben die Medien Reportagen über Mütter aus meinen Land gemacht, die bereit waren, ihre Kinder für 10 Dollar zu verkaufen oder von Müttern, die ihre Kinder vor einer Moschee oder auf der Straße gelassen in der Hoffnung, dass jemand sie mitnehmen würde, weil sie nicht sicher waren, ob sie in der Lagen sein würden, ihre leere Mägen zu füllen.

In den letzten 15 Jahren wurde Afghanistan zur Zentrum der Opium Produktion. Die Situation ist schlimmer als 2011 als die Taliban die Opium fasst ganz zerstört hatten. Die Mainstream-Medien haben darüber berichtet, weil Drogen, die aus Afghanistan kommen, ihren Weg auf die Straßen von New York oder mancher Orte in Europe gefunden haben. Sie haben sogar einmal den Bruder von Hamid Karzai, Ahmed Veli Karzai, entlarvt, der ein bekannter Drogenhändler war. Westliche Regierungen sagen zu armen Farmern: „Hört auf, Drogen anzupflanzen“, aber der lokale Gouverneur, Kommandant, Landrat, Minister und diese Beamten sind selbst bekannte Drogenhändler. Also das ist eines der Haupt-CIA-Projekte, weil Milliarden Dollar durch dieses schmutzige Opiumgeschäft geflossen sind. Und ihnen sind diese Afghanischen Leute, deren Leben zerstört werden, egal. Ich kann euch mehr Beispiele geben: es gibt Berichte darüber, wie Flugzeuge ankommen, um den Leuten Essen zu bringen, und dann gefühlt mit Drogen wieder zurückfliegen. Es gibt sogar Konkurrenz zwischen den amerikanischen und den britischen Truppen, weil jeder seinen Anteil haben will im Drogengeschäft.

IWS: Das ist sehr ähnlich wie die Geschichte des Kriegs gegen Drogen in Lateinamerika. Flugzeuge bringen irgendetwas hinein und fliegen zurück bepackt mit Drogen. Das ist kein Krieg gegen Drogen, das ist Krieg gegen uns Menschen.

MJ: Ja, das ist dasselbe. Über den Krieg gegen den Terror, und mein Land ist ein gutes Beispiel; sie sagen, dass sie gegen die Taliban kämpfen, aber du siehst, wie eng die Beziehungen sind, die sie zu den Taliban haben. In diesen 15 Jahren der Besatzung waren bekannte Mörder wie z.B. Mullah Abdul Arsala Rahmani, ein Vergewaltiger, ein Taliban-Kommandeur, ein Mitglied des Parlaments. Mullah Arsala Rahmani, ein andere Mörder von den Taliban, war auch im Senat, genauso wie Mullah Muttawakil, der der Außenminister der Taliban war, oder Mullah Abdul Salam Zaeef, der ein anderer Minister der Taliban war und ein gutes Leben in der sichersten Gegend in Kabul genießt. Kürzlich wurde eine große Zahl von Taliban-Terroristen aus Guantanamo entlassen und von der Marionettenregierung willkommen geheißen. Es wurde sogar ein Büro für diese Terroristen in Qatar eröffnet, vielleicht habt ihr davon geört. Diese Liste kann fortgesetzt werden und ihr könnt sehen, dass sie es nicht ernst meinen mit dem Kampf gegen die Taliban.

malalai_joya bradley_manningJoe Biden, der US-Vizepräsident, hat öffentlich erklärt, dass die Taliban nicht ihr Feind seien. Und sie haben Recht, denn ich habe seit der Besatzung im Namen meiner Leute gesagt, dass die Warlords oder ISIS Terroristen jetzt der sogenannte neue Feind sind. Aber von ihrer Natur her sind sie wie die Taliban. Nur die Farbe der Flagge hat sich verändert und der Name ist anders. Aber wir wissen, wer sie in Afghanistan unterstützt. Auf der einen Seite gibt das diktatorische Regime im Iran ihnen viele Waffen, damit sie in ihrem eigenen Interesse gegen Pakistan eingesetzt werden. Auf der anderen Seite haben die USA ein Interesse daran, dass ISIS Terroristen im Norden von Afghanistan sind, um sie als Bedrohung gegen Russland und China einzusetzen. Die USA haben besonders Angst vor Russland. Russland gibt aus eigenen Interessen auch viele Waffen an manche dieser Gruppen, ISIS Terroristen eingeschlossen. Tatsächlich sieht mein Land wie eine kranke Kuh aus und jedes dieser Länder versucht, sein Stück vom Kuchen abzubekommen. Ihnen sind die Wünsche der Leute egal, oder dass die Leute genug haben von dem Krieg, wie müde sie sind, Opfer dieses Krieges zu sein. Die geopolitische Lage Afghanistans, der 11. September, alles war eine gute Möglichkeit für die USA und die NATO, zu kommen und Millionen von Dollar in diese fundamentalistischen Warlords und auch die Taliban zu investieren, und sie wollen sie nicht verlieren. Deshalb spielen sie Katz und Maus mit ihnen, um mehr Instabilität und Unsicherheit in Afghanistan zu kreieren, um ihre eigene dreckige Agenda und Politik, die sie haben, zu machen. Ich sag es noch mal, ich verurteile aufs strengst, was die westlichen Regierungen den afghanischen Leuten antun, die hierher kommen oder die in den Iran, nach Pakistan oder in arabische Länder wie Dubai gehen. Sie sind viel Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt. Sie wurden beleidigt. Sie arbeiten sehr hart und ihnen wird kaum Geld dafür bezahlt. Vielleicht habt ihr von der schockierenden Leidensgeschichte von Setayesh gehört, dem 6 Jahre alten Mädchen, das von einer grausamen iranischen Person vergewaltigt und dann getötet wurde. Natürlich, der Diktator von Iran, das Regime und Verhalten ist wie von anderen Dikatoren wie Hitler, Pinochet, Suharto etc. Im Iran sehen sie Afghanen nicht mal als Menschen an, so dass in der Vergangenheit Afghanen verschiedene Arten von unmenschlicher Gewalt angetan wurde und noch angetan wird. Und dann sieht man, wie heuchlerisch die USA und die westlichen Regierungen sind. Offensichtlich sind sie gegen das diktatorische Regime des Iran, aber wenn man sieht, dass die berühmten Marionetten des diktatorischen Regimes des Iran wie Sarwar Danish, wie Hallili Muha, und die Liste ist lang, Unterstützung haben, dass sie in den letzten 15 Jahren hohe Posten innehatten, sowohl in Karzai’s Regime als auch jetzt in Ghani’s Regime, diesem Marionettenregime, das nach dem Wahlbetrug die Macht übernommen hat. Jedenfalls sollte das genug sein, um das scheinheilige Gesicht der westlichen Regierungen zu zeigen.

Ihr habt vielleicht gehört, was Angela Merkel über die Geflüchteten gesagt hat. Ich frage mich, ob, wenn Farkhunda die Tochter von dieser Frau Merkel und vielen anderen Merkels wäre, wenn Leute einmal in den Schuhen einer der Familien der Opfer gehen würden, ob sie dann ein bisschen verstehen würden, was in Afghanistan vor sich geht. Aber ich bin sicher, sie werden es nie verstehen, weil sie weiterhin ihre Truppen senden, um blind zu bombardieren. Das sind die Kinder von anderen Familien, und sie werden benutzt für schlechte Gründe, für diesen kriminellen Krieg und die Besatzung.

In Afghanistan, in Syrien, in Lybien, im Jemen, in Somalia, sie führen diesen Krieg in verschieden Teilen der Erde.

IWS: Wie können wir Frauen erreichen und ihre Kraft anregen?

MJ: Wisst ihr, aus meiner Sicht sind zwei Dinge sehr wichtig: das erste ist Bildung, die ist sehr wichtig. Das solltet ihr versuchen, Bildungs-Projekte für sie zu haben, Lesungen oder auch Computerkurse, Englisch-Kurse. Dann müsst ihr das politische Bewusstsein in ihnen wecken, damit sie ihre eigene Identität kennen, damit sie über die Rolle von Frauen, nicht nur in Afghanistan, sondern in der ganzen Welt, Bescheid wissen. Was für wunderbare, außergewöhnliche Frauen es gibt und dass sie auch stark genug sind, dass sie niemals still sitzen bleiben soll, sondern sich anstrengen und um ihre Recht kämpfen. Ihr solltet ihnen das Beispiel der mutigen Frauen des 21. Jahrhunderts von Kobane und Rojava geben, die mutig gegen die Extremisten der ISIS Terrorgruppen kämpfen, die Misogynisten, die Frauen nicht mal als Menschen ansehen, die sie als Bürger zweiter Klasse betrachten, so wie die Warlords der Taliban in Afghanistan. Ihr solltet ihnen sagen, dass sie von deren epischem Kampf gegen Diskriminierung lernen sollen, der eine Quelle der Inspiration für Million auf der ganzen Welt ist, und wie dieser IS Angst hat vor der Macht der Frauen. Und ihr solltet ihnen sagen, dass, wenn diese Frauen mit ihren starken Worten und ihrem Bewusstsein aufsteigen, nicht mal eine Supermacht ihren Kampf stoppen kann. Und ihr solltet ihnen auch Beispiele geben, und es gibt genug Beispiele in ihrem eigenen Land, schaut euch die Geschichten von Nadia, Mina, Wagia, Nessimad und mir selbst an. Jede von uns hat eine herausragende Geschichte, die sie inspirieren wird. Und auf diesem Weg könnt ihr ihnen helfen. Und wenn sie ihre eigene Identität kennen, bin ich sicher, dass sie ihren Weg finden, aktiv zu sein. Ihr solltet sie ermutigen, mit Antikriegsbewegungen, feministischen Organisationen, Menschenrechtsverteidigern, Organisationen wie eure, zusammenzuarbeiten, von euren Erfahrungen zu lernen und die Erfahrungen mit einander auszutauschen. Glaubt mir, ich habe viel gelernt von diese nicht-gebildeten Leidenden gelernt, den Leuten aus meinem Land, weil wir im Krieg in Afghanistan fast alles verloren haben, aber wir haben eine positive Sache bekommen, und das ist politisches Verständnis und Bewusstsein der Leute, mit nicht-gebildeter Sprache, wer kann aufrichtiger Politiker sein, wer macht Politik mit dir. Aber Bildung ist ein sehr guter Weg. Sie werden niemals enttäuscht sein, sie werden nicht einfach zu betrügen sein. Dann sagt ihnen, dass alle mehr geeint sein müssen, organisiert, und dass sie gegen all diese Extremisten im Krieg und der Besatzung kämpfen müssen, damit sie die Stimme ihrer Leute im Ausland sind und die Stimme der Menschen der Welt, die die Freiheit lieben.

 

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